Fresno, 8. Oktober 2011
Im Prinzip war die Idee von Arthur Heinemann gar nicht schlecht. In den 1920er-Jahren nahm der Autoverkehr in den USA immer stärker zu – und Heinemann beobachtete, dass viele Autobesitzer am Rand der Fernstraßen im Schutze ihrer Ford T-Modelle ihre Zelte aufschlugen, weil ihnen die Hotels in den Städten zu teuer waren. Arthur Heinemann hatte eine Idee: Warum nicht das Campen am Straßenrand verbinden mit den Annehmlichkeiten eines Hotels? In San Luis Obispo, auf halbem Wege zwischen San Francisco und Los Angeles, schuf er speziell für Durchreisende das erste Motor Hotel. Und weil so viele Buchstaben nicht auf das Schild passten, nannte er es: Mo-tel (später umbenannt in Motel Inn).
Sein Patent ließ er sich nicht schützen – und schon wenige Jahre später war Amerika übersät von Motels, inzwischen ohne Bindestrich, aber auch ohne den Charme des ersten Mo-tels von Arthur Heinemann, das architektonisch noch den Kirchen (und gleichzeitig Herbergen) der spanischen Missionare nachempfunden war.
Die heutigen Motels stehen als gesichtslose Betonriegel in der Landschaft – über ihnen gehen die Reklamen der großen Ketten – Amercia’s Best Value, Days Inn, Best Western und wie sie alle heißen – nie aus. Motels sind meist günstig, das Auto findet immer einen Parkplatz und vom Bett aus kann man nachschauen, ob das geliebte Fahrzeug noch da ist. Aber immer liegen die Motels in der Nähe der Highways, zwischen Supermärkten und Fast-Food-Ketten, mithin weit weg vom echten Leben. Nicht einmal das Gruselgefühl von Bates’ Motel, das viele seit Psycho mit Motels verbinden, mag sich mehr einstellen. Die heutigen Motels sind in der Regel sauber und sicher – aber immer langweilig.
Immer die gleiche Zimmeraufteilung, immer die gleiche Einrichtung aus dem Standard-Möbelhaus-Katalog, immer die gleichen Blümchen-Überdecken, immer die gleiche Mikrowelle, mal mit Mr.-Coffee-Maschine, mal ohne. Nach vier aufeinanderfolgenden Nächten im Motel gerät man langsam in einen Zustand der Sedierung. Das Leben draußen ist nicht mehr als das leise Rauschen eines Highways, der unaufhörlich surrende Kühlschrank wird zum Freund, und vor dem inneren Augen sieht man sich schon, Wochen später, in der eigenen Wohnung in Deutschland aufstehen und nach der Mr.-Coffee-Maschine suchen.
Oh, Arthur Heinemann, wenn du wüsstest! Wie schön war doch das Zelten an der warmen Motorhaube des Ford T-Modells. Morgen übernachten wir woanders, morgen kehren wir zurück ins echte Leben!












[...] wenigen Tagen noch war ich sehr ungnädig mit den Motels dieses Landes. Nannte sie langweilig, einfallslos, sedierend. Ich nehme nichts davon zurück, außer, dass es [...]