Wilmington, North Carolina, 9. April 2009
Wenn es irgendwie geht, versuche ich auf meiner Reise die Interstate zu vermeiden. Kleine Terminologie für Europäer: Interstates sind das, was man bei uns unter Autobahn versteht. (Odobähn ist übrigens das bekannteste deutsche Wort in Amerika. You are from Germany? Bee-emm-doubleyou on the Odobähn, eh?) Highways dagegen sind Land- maximal Bundesstraßen. Und dort versuche ich zu fahren, denn man sieht so einiges. Zum Beispiel wäre mir auf der Interstate Myrtle Beach, South Carolina, wohl verborgen geblieben.
Myrtle Beach ist Playa de Palma, ist Ballermann – nur auf amerikanisch. So steht neben jedem Hotel, jeder Bettenburg, ein fast ebenso großes Parkhaus. Denn der Amerikaner muss sein Auto immer in der Nähe wissen. Und hier ist alles noch eine Spur kitschiger als im europäischen Massentourismus. Die zahlreichen Minigolf-Plätze zum Beispiel. (Myrtle Beach bezeichnet sich selbst als Minigolf-Hauptstadt Amerikas.) Hier werden nicht einfach irgendwelche Turnierbahnen aufgebaut, hier wird die große Pappmaschee-Kiste ausgepackt. Die Minigolf-Plätze sind wahre Requisitenwunder, wie einem Ed-Wood-Film entsprungen.
Da gibt es die Version Strohhütte mit reißendem Wasserfall (Hawaii-Golf) oder aber das Modell Dinosaurier (Jurassic-Golf) oder meinen Favoriten: Sinkende Schiffe, abstürzende Flugzeuge und Hubschrauber (Mayday-Golf). Ich vermute übrigens, dieser Platz wurde vor 9/11 gebaut.
Eine weitere Beobachtung in South Carolina: Aus irgendeinem Grund gibt es hier geradezu ein Feuerwerk von Feuerwerksläden. Ja, wirklich. Alle zwei Kilometer einen Fireworks Superstore, riesige Hallen und Märkte, in denen nichts als Feuerwerk verkauft wird. In South Carolina scheint also das ganze Jahr über Feuerwerk erlaubt zu sein. Nur für Silvester und Independence Day werden sich die Läden ja kaum rechnen.
Den Grund dafür habe ich nicht herausfinden können. Haben die Leute hier so viel zu feiern? Oder gibt es einen mir unbekannten Verfassungszusatz, der das Tragen von Feuerwerk zu jeder Zeit erlaubt, um Indianer in die Flucht zu schlagen und Sklaven in Zaum zu halten? Ich weiß es nicht.

Dem Irrsinn entronnen: Ganz entspannter Strand in North Carolina










Nee nee. American Ballermann is weiter südlich.
Klicktipp: springbreak.com
Oder bei Wikipedia nachschlagen…
Halt durch!
Das stimmt, der wahre Ballermann ist in Florida. Ich erinnere mich an diverse RTL-II-Reportagen mit kotzenden Collegestudenten. Jetzt ist ja gerade wieder Saison.
Sagen wir: Myrtle Beach ist sowas wie der familienfreundliche Teil von Playa de Palma. Auf jeden Fall voll – und aus dem Autofenster vom Ocean Blvd. großartig kitschig. Aber ich möchte da nicht einen Tag verbringen müssen.
in florida gehen noch ganz andere sachen ab:
http://www.thedailyshow.com/video/index.jhtml?videoId=223898&title=Dirty-Bird-Special
nachdenklich
f.
Ahhh, du hast es gesagt. Abstürzende Flugzeuge. Und das böse 9/11-Dings. Ein Touristen-Schläfer. Vom Touristen zum Terroristen. Ab mit dir nach G*********. Ach nein. Wir hatten ja Wahlen. Change und so. Glück gehabt. Yes we can…
Viel Spaß noch