Titisee, 25. Oktober 2008

Titisee, Schwarzwald (nicht zu verwechseln mit: Titicacasee, Peru). Titisee also gehört fest in die Reihe München, Neuschwanstein, Heidelberg, Rüdesheim – zu den Traumorten für amerikanische und japanische Touristen. Denn hier ist das Zentrum der deutschen Kuckucksuhrenglückseligkeit.
An sich ist der Titisee an einem sonnigen Herbsttag ein unspektakuläres, aber sehr lohnendes Ausflugsziel. Man kann den kleinen See in zwei Stunden locker umrunden. Und ist trotz Tourismus dabei ziemlich für sich. Und das liegt nicht in erster Linie daran, dass ein Spaziergang über den Seerundweg angesichts der Warnschilder so gewagt zu sein scheint wie eine Alleinbesteigung des Nanga Parbat.

Nein, der Titisee ist für die meisten Gäste nicht zum Umrunden da. Wenn überhaupt, macht sich der gemeine Titisee-Besucher zu einer Bootstour auf, wahlweise mit Carola oder Ingrid, gepflegte Ausflugsboote, die sich in jeder 80er-Jahre-ZDF-Vorabendserie gut machen würden. Die meisten der Besucher aber begnügen sich mit einer Portion Black Forest Cake und natürlich einem ausführlichen Einkaufsbummel in der Großen Schwarzwald-Uhren-Ausstellung, oder um es wohlklingender zu sagen: Cuckoo-Clock-Shop-Export.

Hier kuckuckt es alle zehn Sekunden, aus winzigen 10 Euro-Blech-Uhren genauso wie aus der handgeschnitzten Kuckucks-Villa für 780 Euro. Das Geschäft schient zu laufen. Wer sich hier über diesen Wahnsinn lustig macht, erntet böse Blicke.
Der aktuelle Dollar-Wechselkurs wird auf einer Schiefertafel täglich aktualisiert. 1 Euro gleich 88 US-Cent – Kuckucksuhren, in Zeiten der Finanzkrise vielleicht ein lohnendes Investment, auf jeden Fall aber ein Garant für deutsch-amerikanische Freundschaft. So einträchtig wie kaum noch irgendwo hängen sie hier über fast jedem Geschäft in uneinschränkter Solidarität nebeneinander: die deutsche und die US-Flagge. Das hat selbst George W. Bush nicht ändern können.









