Lund, 6. April 2008
Wer etwas über Schweden lernen will, muss an einem Freitagabend gegen viertel vor Sieben in den einzigen Systembolaget der Stadt gehen. In meterlangen Schlangen arbeiten sich die Menschen langsam zur Kasse vor, ihre Einkaufswagen bis oben vollgeladen. Der Systembolaget schließt um Sieben – und Samstag schon mittags. Es ist die letzte Chance. Wer jetzt nicht dabei ist, sitzt am Wochenende auf dem Trockenen. Denn der Systembolaget hat, was andere nicht haben: Alkohol.
Anders als in Dänemark oder Finnland, wo zumindest Bier und Wein in Supermärkten oder Spätverkaufsstellen zu bekommen sind, herrscht in Schweden ein striktes Monopol. Nur in diesen staatlich kontrollierten Läden (und teuren Bars) gibt es Stoff. Ausnahme: Leichtbier bis 3,5 Prozent. Aber wer das einmal probiert hat, stellt sich danach gerne beim Systembolaget in die Schlange.
Eine Flasche Wodka kostet 25 Euro, ein Bier 1,50 Euro, eine preiswerte Flasche Wein sechs bis sieben Euro. Das macht Alkohol zu einem teuren Gut. Man könnte meinen, es würde dazu führen, dass die Schweden weniger trinken. Aber haben die Engländer wegen der Sperrstunde etwa weniger getrunken? Sie haben es nur schneller in sich hineingestürzt.
In Schweden führen der hohe Preis und das staatliche Monopol zu einer Mystifizierung des Alkohols. Ein ganzes Volk benimmt sich wie wir in Deutschland mit 16, als es das gesamte Wochenende rettete, dass irgendjemand am Freitagabend eine Flasche aus dem elterlichen Spirituosenschrank hatte mitgehen lassen.
Sich mal ein Bier unter der Woche aufmachen? Ein Glas Wein zum Essen ohne besonderen Anlass? Dafür erntet man bei Schweden Unverständnis. Alkohol trinkt man nicht im Alltag, nur am Wochenende. Dann aber werden alle Schleusen geöffnet. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal nicht in einen Club hineingekommen bin, weil einer meiner Freunde zu betrunken war. In Schweden mit Schweden ist es auf Anhieb passiert.
Das beste an diesem System ist der Systembolaget. Es gibt dort nichts anderes als Alkohol außer alkoholfreiem Bier und Wein, die man daran erkennt, dass der Preis zu billig ist, um mit Alkohol zu sein. Der Laden ist bestens sortiert. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Und das lässt sich über den Katalog bestellen. Der sieht von außen ein wenig aus wie der Ikea-Katalog. Drinnen aber sind kaum Bilder abgebildet, dafür lange Listen mit detaillierten Informationen.
Die Autoren meinen es ernst. Über Bier erfährt der Kunde nicht nur wie viel Alkohol es hat (sehr, sehr wichtig!), was es kostet (sehr, sehr viel!) und wie viel die Flasche fasst (zu wenig!), sondern in jeder Spalte stehen auch kleine Symbole, wozu dieses Bier wohl passt.
Beck’s zum Beispiel kann sehr gut getrunken werden zu Fisch, Schwein und Gemüse, während Bitburger eher zu Geflügel zu empfehlen ist, Warsteiner seltsamerweise aber zu Lamm. Paulaner Hefeweizen passt wiederum gut zum Smörgasbord oder als Aperitif, aber Achtung: Paulaner Kristallweizen nicht. Das trinkt man besser zu asiatischem Essen.
Wer jetzt nicht mehr weiß, wozu er welches Bier trinken darf, kann sich gerne bei mir melden. Ich schlage dann im Systembolaget-Katalog nach. In jedem Fall dürfte gelten: Zu einem Bier passt auch noch ein Bier.










In meiner westfälischen Heimat trinkt man Pils ja am liebsten zu Korn – als Herrengedeck eben!
Zu oder im Korn? Mit Schuss, auch U-Boot genannt, sofern das Glas gleich mitversenkt wird.
Sowohl als auch, soweit ich weiß.