Berlin, 3. Juli 2007
Vor kurzem fragte mich jemand, woran man in Berlin erkenne, ob man in Ost oder West ist. Früher antwortete ich darauf: an den Ampelmännchen. Seitdem die Ost-Männchen in ganz Berlin montiert werden, stimmt das nicht mehr. Die aktuell richtige Antwort heißt: Ossis parken rückwärts ein.
In meiner Straße gibt es auf der einen Seite Parkboxen quer zur Fahrbahn. Im Westen fahren die Leute vorwärts in die Boxen, im Osten rückwärts. Von meinem Balkon kann ich das wunderbar beobachten. Alle Autos stehen mit der Schnauze zur Straße, wirklich alle.
Warum das so ist, weiß ich nicht. In seinem Kolumnenband Von mir aus äußert Juan Moreno eine Vermutung: Ossis machten das immer so – erst den Arsch in Sicherheit bringen und dann schnell weg. Er habe gehört, dass bei der NVA sogar die Panzer rückwärts eingeparkt wurden.
Gut möglich. Verwunderlich ist nur, dass niemand gegen den Strom schwimmt. Dabei wohnen bei mir in Prenzlauer Berg doch inzwischen mehr Wessis als Ossis. Ein Gang durch meine Straße brachte Aufschluss. Da standen nicht nur die Wagen mit den Nummernschildern B, MOL und FF rückwärts in der Parkbucht – sondern auch die mit HH, D und FR. Wer rückwärts einparkt, wählt auch die Linke. Vielleicht hat der Sozialismus in Deutschland doch noch eine Chance.










[...] habe mich kürzlich an dieser Stelle mit dem Einparkverhalten der Deutschen beschäftigt. Die Theorie besagt, dass Ossis – warum auch immer – rückwärts einparken, Wessis [...]