Puerto Varas, 7. Mai 2007
Wenn jemand glaubt, dass er in der Schule Spanisch lernen könne, dann ist das eine Illusion. Das erfährt man schon, wenn man das erste Mal noch Spanien fährt. In Barcelona sprechen sie anders als in Pamplona oder La Coruña – und überhaupt sprechen sie lieber Katalanisch, Baskisch oder Galizisch als Castellano. Und wer sich in Südamerika auf sein Schul-Spanisch verlässt, ist so verloren wie jemand, der sein Oxford-Englisch in der Bronx ausprobieren will.
Ich mache von Tag zu Tag Fortschritte, aber es ist nicht leicht. Das fängt bei der Aussprache an. Anders als in Spanien sprechen die Argentinier ll nicht wie das deutsche j aus, sondern wie sch. Wer nach einer kaje (calle = Strasse) fragt, erntet verständnislose Blicke. Es heisst kasche. Gleiches gilt für das y. Mayo (Mai) heisst also nicht majo, sondern mascho.
An anderer Stelle verwenden sie gleich komplett andere Wörter. Ein Bus ist zum Beispiel kein bus wie im Spanischen, sondern ein colectivo. Ist etwas klein, so ist es nicht pequeño sondern chico. Und als mir jemand im Laden auf mein ¡Gracias! erwiderte: ¡Gracias a vos!, blickte ich mich um, wer noch im Raum sei. Vos, die Kurzform für vosotros (ihr, euch) wird hier in der zweiten Person Singular verwendet, anstelle von tú oder ti.
Man gewöhnt sich daran. Das Dumme ist nur, dass man bald – kaum hat man sich daran gewöhnt – alles wieder vergessen kann. Denn in Chile ist alles anders. Wer nach einer kasche fragt, bekommt keine Antwort, calle wird selbstverständlich kaje ausgesprochen und mayo - majo. Ein Bus ist hier ein bus, ein colectivo dagegen bezeichnet eine Art Sammeltaxi.
Dafür lassen die Chilenen bei der Aussprache gerne Laute oder gleich ganze Silben weg. Presidente Ibañez, ein häufiger Strassenname, klingt in etwa wie: resibañe. Als ich im Nationalpark von Coyhaique wandern gehen wollte, fragte mich der Parkwächter do-mi. Ich verstand dormir (schlafen) und erklärte ihm, dass ich eine Tagestour plane und keineswegs im Park übernachten wolle. Bueno, sagte er, do-mi. Er meinte nicht dormir, sondern wollte dos mil (zweitausend) chilenische Pesos Eintritt.
Was sie an der einen Stelle weglassen, hängen sie anderswo an – am liebsten als Verniedlichungsform. Anstelle von ¿Quieres un té? (Magst du einen Tee?) fragte mich meine Vermieterin in Castro stets: ¿Quieres un tesito? Zu pan (Brot) sagen sie pansito, zu café cafesito. Sogar sí und no werden zu sipo und nopo. Dementsprechend bestellt man als kleinen Kaffee auch keinen café solo wie in Spanien, sondern einen cafesito chiquito.
Was ich mir leider nicht mehr abgewöhnen kann, ist die spanische Aussprache der Buchstaben z und c (vor e und i). Die Spanier lispeln sie wie ein englisches th. Hier werden sie wie ein einfaches scharfes s ausgesprochen, lispeln gilt als hochgradig hochnäsig.
In einem Bus in Uruguay plauderte ich mit einem Bauarbeiter, der mich irgendwann fragte, warum ich einen spanischen Akzent hätte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass dies in Deutschland in der Schule so gelehrt werde. Es blieb ihm unbegreiflich, wie man uns nur solch einen Unsinn beibringen konnte.










Das war lustig
. Ich bin ne Spanierin in Deutschland und habe auch diese Probleme mit Deutsch. Zum Beispiel, wenn die Leute sagen „gehma futtern?“ oder „wenn du Lusch hasch“…
Wahrscheinlich passiert das mit allen Sprachen, die von vielen Menschen gesprochen werden. Dialekt ist immer schwer am Anfang.
Oh, danke! Das klingt aber ganz gewaltig nach dem Schwabenland, wo Du Dich da aufhältst. Und ganz ehrlich: Da hätte auch ich als Deutscher Probleme mit der Sprache.
Hey… nix gegen uns schwauba;-)
aber ich muss zugeben, dass schwäbisch schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist. Ich kann auch ne geschichte erzählen: eine Freundin von mir ist austauschschülerin aus venezuela. Sie hat mir ein bisschen spanisch beigebracht. Als ich dann diesen sommer in spanien war, haben mich ebenfalls spanier auf meine aussprache hin gefragt, warum ich „ella“ und „yo“ nicht „eja“ und „ja“ auspreche sondern „edscha“ und „dscho“. so geht das mit diesen dialekten und akzenten;-)
Hey… nix gegen uns schwauba;-)
aber ich muss zugeben, dass schwäbisch schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist. Ich kann auch ne geschichte erzählen: eine Freundin von mir ist austauschschülerin aus venezuela. Sie hat mir ein bisschen spanisch beigebracht. Als ich dann diesen sommer in spanien war, haben mich ebenfalls spanier auf meine aussprache hin gefragt, warum ich „ella“ und „yo“ nicht „eja“ und „jo“ auspreche sondern „edscha“ und „dscho“. so geht das mit diesen dialekten und akzenten;-)
Käffchen?
Ohja, Käffchen. Ganz schlimmes Wort. Bierchen? Schnäpsken?
Neinchen, schlimme Wörtchen!
Aber „cafesito“ hat mich an „Käffchen“ erinnert.