Puerto Chacabuco, 3. Mai 2007
Eigentlich sollte ich hier mitten im Katastrophengebiet sein. Jedenfalls wenn alles stimmte, was Reisende sich so untereinander erzählen. Nach Barbaras Informationen, einer Kanadierin, mit der ich in El Calafate das Zimmer teilte, habe es hier ein folgenschweres Erdbeben samt Tsunami gegeben. Es gebe Tote, alle Fähren seien zerstört. Es sei unmöglich von dort wegzukommen.
Etwas beunruhigt, suchte ich bei Google – und hatte Schwierigkeiten, Nachrichten über das Erdbeben zu finden. Entweder war das Beben so verheerend gewesen, dass noch keine Informationen davon nach aussen gedrungen waren. Oder es war halb so wild. Natürlich stimmte letzteres.
Zwar gab es wirklich ein Beben der Stärke 6, bei dem drei Menschen starben und sieben vermisst werden. So etwas ist in dieser Region aber so gewöhnlich wie ein kräftiger Orkan an der Nordsee oder eine Lawine in den Alpen. Der Tsunami entpuppte sich als Überschwemmung, die durch einen hinabstürzenden Felsen verursacht worden war. Vor dem Tsunami in Südostasien wusste niemand, was das Wort bedeutet, jetzt ist jedes Hochwasser einer.
Solche Schauergeschichten, die Reisende sich untereinander erzählen, sind wie die Legende von der Spinne in der Yucca-Palme. Keinem ist je selbst etwas passiert, aber alle haben schon einmal von dem Holländer (manchmal ist es auch ein Belgier) gehört, der nahe dem Busbahnhof von Mendoza verwirrt und nackt durch den Park lief, all seiner Habe und Kleider beraubt.
Ich weiss nicht, ob die Geschichte vom Holländer/Belgier stimmt. Ich weiss nur: Meine Fähre, die fährt.









