Coyhaique, 2. Mai 2007
Im Hostel in El Calafate fand ich ein zerfleddertes Buch über Argentinien. Anfangs hielt ich es für eine veraltete, billige Tourismusbroschüre. Erst bei genauerem Hinsehen erkannte ich den antiquarischen Wert dieser Publikation. Es war die Erste Auflage des Lonely Planet Argentina von 1989.
Beim Durchblättern wurde mir klar, warum dieses Buch eine Sensation bedeutete in einer Zeit, als noch die tonnenschweren Kulturführer à la Baedecker den Markt beherrschten. Ein billig layoutetes Heftchen nahezu ohne Fotos, das sich survival kit nannte – statt eine kulturgeschichtliche Vorlesung zu halten, beschränkte es sich auf das, was für das alternativ-selbstbestimmte Reisen wichtig war: Wie komme ich von A nach B? Wo kann ich preiswert schlafen? Wo billig essen?
Heute sind Individualreisen Mainstream und der Lonely Planet ist Weltmarktführer, ja wahrscheinlich der grösste Führer aller Zeiten. Es gibt 650 Titel, die in bis zu 14 Sprachen übersetzt werden. Der Verlag beschäftigt 400 Angestellte und hat inzwischen sogar eine Fernsehproduktion namens Lonely Planet Television.
Ich möchte die Prognose wagen, dass der Niedergang des Lonely Planet längst begonnen hat. Er hat sich überfressen und wird daran zugrunde gehen. Denn was soll man mit einem Tipp noch anfangen, wenn ihn jeder bekommt? In dem Moment, in dem etwas im Lonely Planet steht, ist es kein Geheimnis mehr. Die Sehenswürdigkeit, das Hostel oder Restaurant wird wenig später von Reisenden überschwemmt werden.
In seinem schönen Buch Ach, Afrika erzählt der ZEIT-Journalist Bartholomäus Grill eine hübsche Anekdote: In einem kleinen Ort in, ich glaube, Kenia empfahl der Lonely Planet einen Führer namens, sagen wir, John Mitchell. Wenig später wollten alle Touristen nur noch John Mitchell. Doch die anderen Dorfbewohner wussten, wie man ein gutes Geschäft macht. Sobald die Reisenden irgendwo nach John Mitchell fragten, antwortete die Menschen: Oh, da haben Sie Glück. Das bin ich. Innerhalb weniger Monate waren in dem Dorf aus einem hundert John Mitchells geworden.
Generell sind Reiseführer unterwegs nur bedingt hilfreich. Man kann vor der Reise einen ersten Überblick über das Land erhalten und sich entscheiden, ob man nach Norden oder Süden fahren will. Sie können einem helfen, für die erste Station eine Unterkunft zu finden – und eine Orientierungshilfe darstellen, wenn man einen völlig unbekannten Ort erreicht. Ansonsten sollte man auf Mundpropaganda vertrauen, von anderen Reisenden – und, noch besser, von Einheimischen.
Ich habe dieses Mal den Rough Guide dabei und kann ihn nur empfehlen. Natürlich teilt er mit allen Reiseführern das Problem, dass ein Geheimnis, dass man veröffentlicht, keines mehr ist. Aber weil er kleiner ist, kann das Geheimnis mit Glück noch ein wenig länger Bestand haben. Ausserdem bietet er verlässliche Informationen und ist nicht so staubtrocken wie der Lonely Planet. Die Menschen im Verlag können schreiben – und sie liefern unterhaltsame und interessante Hintergrund-Informationen und Anekdoten, wo der Lonely Planet noch das letzte Hostel aufzählt. Und – ein irrationales, aber unschlagbares Argument – er wird von Bill Bryson empfohlen.
Argentinien hat den Trend übrigens erkannt. Der Lonely Planet darf dort nicht mehr vertrieben werden - solange er behauptet, dass die Malvinas (Falklands) britisches Staatsgebiet seien.










weiterer vorteil des rough guide: absolutes taschenformat!
¡a propósito, no me siento bien, estoy resfriado, tengo dolor de muela, me duele aqui, estoy resfriado, tengo una indigestion, me mareo, tengo colitis!
lo siento, pero me tengo que marchar. espero que nos volvamos a ver pronto.
¡buen viaje!
d.
So höflich habe ich es nicht ausgedrückt. ¡Necesito ayuda! ¡Por favor!!!!
¡Que te mejores, mi amigo!
¡Ya nos veremos!
st.
Und noch ein Nachtrag zum Lonely Planet! Die mit Abstand beste Bar in Castro doe Kaweshkar Lounge steht nicht im Lonely Planet. Der Besitzer hat mir erzählt, dass im Sommer immer wieder Touristen mit dem Lonely Planet in der Hand vorbeikommen und vor der Tür stehen bleiben. Dann suchen sie im Lonely Planet, finden nichts und ziehen weiter. Irgendwann hat er ein Schild ins Fenster gehängt: Wir stehen nicht im Lonely Planet, sind aber trotzdem gut. Ich habe ihm gesagt, er soll „trotzdem“ durch „erst recht“ ersetzen.
[...] American Kitsch, Rockkonzerte, Burger – das ist das Programm. Aber weil der Laden in der NYT, im Lonely Planet, überall steht, bekommt man am Freitagabend kein Bein an die [...]