El Calafate, 26. April 2007
Der Mensch ist ja bekanntlich kein sonderlich intelligentes Wesen. Und einige sind sogar noch blöder als der Durchschnitt. Täuscht mich mein Eindruck, dass der Anteil von Volldeppen unter Touristen besonders gross ist? Vielleicht kommt die Dummheit der Leute im Urlaub einfach nur ungebremster ans Licht.
Nach dreieinhalb Tagen in El Calafate muss ich jedenfalls feststellen: Touristen sind saublöd – nicht alle, aber doch fast. Leider kann man ihnen hier nicht ganz entgehen. Der ganze Ort würde ohne Touristen nicht existieren, und wer die Naturwunder sehen will, muss entweder viel Zeit zum Wandern mitbringen oder sich mit Touristen auf ein Schiff begeben.
Auf einem Schiff geht der Tourist natürlich nicht aufs Deck, sondern setzt sich schön an die Tische drinnen. Weil es aber drinnen gute und schlechte Plätze gibt, eilt er, schubst andere beiseite, macht es sich am Fenster bequem – und schläft fünf Minuten nach Ablegen des Schiffes ein. Wenn der Tourist dann wieder aufwacht, muss er sich entscheiden zwischen Videokamera und Fotoapparat. Mit dem Fotoapparat versucht er, durch die Fensterscheibe, den Gletscher zu fotografieren. Leider kann er auf den Bildern nichts erkennen. Er versucht es wieder und wieder – doch der weisse Fleck bleibt. Auf die Idee, den Blitz auszustellen, kommt er nicht.
Ausgerüstet ist der Tourist natürlich bestens für die Wildnis, die er vom Schiff aus betrachtet. Überall leuchten einem die Schriftzüge Jack Wolfskin, The North Face, Gore-Tex entgegen. Einige sehen aus wie Talibanfrauen auf Antarktisexpedition – bei zehn Grad plus.
Die Menschen, die hier arbeiten, behandeln einen sehr freundlich, aber leider scheinen sie alle Besucher in einen Topf zu werfen. Sie sind doch tatsächlich erstaunt, wenn man sich in unebenem Gelände nicht die Knöchel bricht. Aber ich kann sie verstehen. Wer einmal Leute erlebt hat, die mit Plateausohlen oder Highheels in den Nationalpark zum Wandern kommen, verliert den Glauben in die Menschheit.
Dabei ist Nebensaison. In wenigen Wochen werden sie den Ort für den Winter dichtmachen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptsaison aussieht. Es muss der Hölle ziemlich nahe kommen. Mir ist es schon jetzt genug. Ich werde morgen fahren. Wohin, weiss ich noch nicht genau, aber es wird ein Ort ohne Touristen sein.










„Touristen sind saublöd – nicht alle, aber doch fast. Leider kann man ihnen hier nicht ganz entgehen.“ ….
Als was bist du eigentlich dort unterwegs?
Ich schätze … als Tourist. Aber nicht als hochzeitsreisender Pauschaltourist aus Spanien. Deswegen schäme ich mich ja so. Über die Feinheiten der Begriffe Tourist, Urlaub, Reisen muss ich an anderer Stelle noch mal eingehen.
Ich finde, wir sind Touristen gegenüber viel zu kritisch. Urlaub lässt sich einfach nicht mit eingespieltem Alltag vergleichen. Da haben wir Jahre, um die Vorgänge feinzujustieren. Dass mehr Menschen im Urlaub Fehler machen, wundert mich da nicht. Nicht jeder leistet sich einmal im Jahr Abenteuerurlaub. Wir beobachten den Durchschnittsmenschen zuhause auch viel weniger. Und wenn Touristen geballt auftreten, sticht das natürlich umso stärker ins Auge. Nervt dann auch. Naja, nicht zu reisen, ist auch keine Lösung.
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&q=El+Calafate&sll=37.0625,-95.677068&sspn=40.59616,62.226563&layer=&ie=UTF8&z=9&ll=-50.355976,-72.718506&spn=1.025157,1.94458&t=k&om=1
Hier hat ganz sicher jemand mit Photoshop rumgespielt.
Nun ergreift doch nicht alle die Seite der armen Touristen. Ihr musstet sie ja nicht erleben.
Was heisst, nicht jeder leistet sich einmal im Jahr Abenteuerurlaub? Für diese Leute, die bei mir auf dem Schiff waren, war das Abentuerurlaub – eine halbe Stunde durch den Wald laufen und einen Gletscher sehen.
Im Übirgen bin ich mir sicher, dass deren Reise ungefähr das zehnfache meiner kostet – mindestens.
Super übrigens deine Google-Maps. Man kann links super den Perito-Moreno-Gletscher sehen, wie er auf die Halbinsel trifft.
Hast du nicht Lust, noch ein paar mehr rauszusuchen???
Und ich dachte, My Maps bei Google Maps sind reine Spielerei. Für alle anderen, die sich ebenfalls eingestehen, eher keine überdurchschnittliche Südamerika-Geographiekenntnisse zu besitzen:
http://maps.google.com/maps/ms?f=q&layer=&ie=UTF8&hl=en&z=4&ll=-38.891033,-62.226562&spn=41.105802,59.853516&t=h&om=1&msid=113599538840739746897.000001123f14a01b1380f&msa=0
Die Route ist vielleicht etwas grobschlächtig.
Kommt schon ganz gut hin. Vielen Dank. Du darfst demnächst weiter zeichnen. Die Etappen werden jetzt kürzer, aber häufiger.