El Calafate, 23. April 2007
Ich habe das Ende Patagoniens erreicht. Río Gallegos liegt rund 2000 Kilometer südlich des Río Negro, wo ich Patagonien am Mittwoch betreten hatte. Von hier geht es Richtung Süden nur noch nach Feuerland. Ich biege ab – und nehme einen Bus in die Berge nach El Calafate. Ich schaue aus dem Fenster und betrachte die Endlosschleife von Landschaft. Sie hat sich in 2000 Kilometern kein Stück verändert, immer noch zieht die grau-grün-gelbe Halbwüste vorbei.
Diese Halbwüste wurde Simon de Alcazabar zum Verhängnis. Der spanische Entdecker brach um 1530 zu einer Expedition ins Hinterland Patagoniens auf. Was auch immer er gesucht hat, Geld, Ruhm, das Land, in dem Milch und Honig fliessen – er hat es nicht gefunden.
Ich stelle mir vor, wie seine Begleiter ihn immer wieder fragten. Herr, wann sind wir am Ziel? Und Simon würde sagen: Bald, hinter diesem Hügel muss es sein. Und nachdem sie den Hügel erklommen hatten, würde sich wieder dieselbe Landschaft auftuen. Monatelang zogen sie so durch die Ödnis, bis seine Untergebenen schliesslich die Schnauze voll hatten. Sie töteten Simon de Alcazabar, wanderten zurück zur Küste und segelten heim, nach Spanien.
Vielleicht hätte er überlebt, wenn er bis El Calafate gekommen wäre. Zwar ist es auch hier in den Bergen staubig. Doch mittendrin liegt ein wunderbar klarer, hellblauer See, dahinter die weissen Berggipfel der Anden. Und nicht weit von hier liegen einige der spektakulärsten Gletscher der Welt. Hier fliessen heute Milch und Honig, dank des Tourismus.









