Puerto Madryn, 20. April 2007
Ich möchte der CDU-Spitze vorschlagen, ihren nächsten Parteitag am Punta Tombo abzuhalten. Das Kap 150 Kilometer südlich von Puerto Madryn beheimatet die weltweit grösste Kolonie der Magellan-Pinguine ausserhalb der Antarktis. Ich glaube, dass die Partei sich mit den Pinguinen gut identifizieren könnte.
Im Spitzenzeiten kommen hier 800.000 Vögel zusammen. So viele Mitglieder hätte die CDU auch gern wieder. Und auch die Farben stimmen: Die Pinguine sind schwarz – mit Ausnahme derer, die ihr altes Federkleid noch nicht abgelegt haben. Die tragen immer noch braun.
Vor allem aber könnte Frau von der Leyen die Gelegenheit nutzen, ihren Parteifreunden vorzuführen, wie moderne Familienpolitik funktioniert. In dieser Hinsicht ist der Magellan-Pinguin nämlich etwas weiter entwickelt als die Christlich Demokratische Union. Zwischen August und Oktober legen die weiblichen Pinguine am Punta Tombo ihre Eier ab. Das Ausbrüten und Füttern teilen sich beide Partner dann aber. Wenn sich das Männchen kümmert, ist das Weibchen auf der Suche nach Nahrung, bestreitet also den Lebensunterhalt – und umgekehrt.
Dieses Familienbild ist natürlich schwer erträglich, da die Rolle der Mutter hinabgewürdigt wird. Der weibliche Magellan-Pinguin droht zur Gebärmaschine zu werden. Vielleicht wird es den konservativen Flügel besänftigen, dass der Pinguin in der Regel monogam lebt, jedenfalls für drei bis zehn Jahre. Und auch sonst ist das Tier eher spiessig. Wenn sich das Paar einmal ein Nest gebaut hat, wird es immer wieder genau dorthin zurückkehren. Und ihre Kinder werden sich ein Nest nebenan suchen.
Ich glaube, dass solch ein Parteitag die innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten schnell beseitigen könnte. In dieser Saison wird das aber nichts mehr. In wenigen Tagen werden die letzten Pinguine Punta Tombo verlassen und sich in die wärmeren Gewässer vor Brasilien begeben. Die Lösung im Streit um die Kinderbeteuung muss also bis August warten.









