La Barra/Punta del Este, Uruguay, 15. April 2007
Uruguay ist ein kleines Land. Es hat drei Millionen Einwohner, unzählige Pferde, alte Autos und eine der schönsten Landesflaggen der Welt. Das Land lebt vor allem vom Tourismus, der Landwirtschaft – und der Thermoskannenindustrie. Letzteres ist keine offizielle Angabe, sie stützt sich ausschliesslich auf meine eigenen Beobachtungen. Denn die Uruguayer trinken immer und überall Mate.
Auch die Argentinier kennen diese Marotte, aber die Uruguayer haben ihre Obsession bis ins Letzte perfektioniert. Einen Uruguayer kann man leicht erkennen. Er trägt eine längliche, lederne Umhängetasche über der Schulter. Darin verstaut er seine zwei bis drei Thermoskannen. In der Hand hält er den kleinen runden Matebecher, mit dem gleichen Arm klemmt er sich eine der vielen Thermoskannen unter die Achsel. Alle fünf Minuten giesst er daraus heisses Wasser nach. An zentralen Orten wie den Busbahnhöfen nutzen die Menschen den kurzen Stopp, um ins Bahnhofscafé zu eilen und heisses Wasser nachfüllen zu lassen.
Dass das Land in der Weltwirtschaft keine grosse Rolle spielt, mag an seiner vergleichsweise geringen Einwohnerzahl liegen. Ich vermute eher, dass es am Matetrinken liegt. Denn diese Angwohnheit hat es zu einem Land von Einarmigen werden lassen. Der Mann etwa, der mein Gepäck am Busbahnhof von Monteviedeo im Kofferraum verstaut, hat Mühe, es richtig zu fassen zu bekommen. In der anderen Hand hält er schliesslich den Matebecher.
Dafür dass es nur aus Einarmigen besteht, hat das Land einiges erreicht. Kaum auszudenken, wozu die Menschen hier imstande wären, wenn sie zwei Arme zur Verfügung hätten. Vielleicht ist das winzige Land deshalb im Fussball so erfolgreich. Die Regeln der Fifa verbieten nämlich Matebecher auf dem Platz. In diese Richtung zielt vermutlich auch das Schild, das ich im Café des Busbahnhofs von Colonia entdeckte. Es hing gleich neben dem Rauchen verboten-Schild: hier Matetrinken verboten.









