Colonia del Sacramento, Uruguay, 13. April 2007
Wenn die Sonne untergeht auf dieser Seite des Rio de la Plata, kann man ganz weit in der Ferne die Bürotürme von Buenos Aires leuchten sehen. Buenos Aires ist also noch da. Denn das Leben hier und das Leben auf der anderen Seite könnten kaum entfernter von einander sein. Zweieinhalb Stunden auf der Fähre (eine auf dem Schnellboot) und man erreicht Uruguay – eine andere Welt. Ein kleines Land, das insgesamt nicht einmal ein Viertel der Einwohner von Buenos Aires hat. Folglich geht es hier alles etwas ruhiger zu. Der Verkehr ist keiner, mehr als zwei Autos auf einmal sieht man selten. Die Strassen haben zwei Spuren anstatt 14. Und wenn ich mich an einen Zebrastreifen stelle, halten die Autos tatsächlich.
Es ist schön hier. Die Touristen kommen wegen der Altstadt, die noch so aussieht wie im 17. Jahrhundert, als die Portugiesen sie als Kolonie gegründet haben. Sie ist deshalb ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen worden. Und besonders vor Sonnenuntergang ist es traumhaft. Mein persönlicher Höhepunkt ist trotzdem ein anderer Ort, den ich fünf Kilometer nördlich von hier an der Uferpromenade entdecke.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der argentinische Architekt Nicolás Mihanovich auf die Idee, dort ein riesiges Amüsierzentrum zu bauen. Er nannte es Real de San Carlos, zu Ehren des damaligen spanischen Königs. Das Projekt wurde ein einziger Reinfall. Heute stehen die riesigen Gebäude im Nichts und versprühen den Charme, der auch von vergleichbaren Orten wie dem Spreepark in Berlin oder Coney Island und Atlantic City in New York ausgeht.
Im Zentrum steht die riesige Stierkampf-Arena im klassisch-maurischen Stil. Grossen Erfolg hatte sie nicht. Zwei Jahre nach ihrer Eröffnung wurde der Stierkampf in Uruguay verboten. Kaum besser erging es dem Casino mit seinem Glücksspiel. Und das gewaltige Pelota-Stadion war wohl von Beginn an leicht überdimensioniert. Es wird niemanden überraschen, dass es bis heute das grösste Südamerikas ist. Immerhin, ganz unnütz ist es nicht: In einer Ecke im Erdgeschoss wohnt eine alte Frau. Das Beste des Komplexes ist die alte Pferderennbahn. „Gegründet 1942″, steht am Eingangstor. Und genau in diese Zeit fühle ich mich zurückversetzt. An den Holztribünen hat sich seit 60 Jahren kaum etwas verändert. Auf den Schiefertafeln stehen noch die Pferde und Jockeys des letzten Rennens. Die Zeiten, in denen elegante Männer mit Hüten hier ihre Einsätze machten, sind lange vorbei. Der einzige Mann mit Hut sitzt in einer Bushaltestelle vor der Rennbahn und wartet auf einen Bus, der vielleicht nie kommen wird.
Die Bahn selbst wird sogar noch genutzt. Ein Traktor zieht eine Walze hinter sich her und plättet den Sand vor den Tribünen. Die alten Ställe nutzen Privatleute, auf der Bahn können sie ihre Pferde ausreiten. Alle hier grüssen mich freundlich. Es scheinen sich nicht mehr oft Toursiten hierher zu verirren. Als ich mit meinem Fahrrad zurück auf die Strasse nach Colonia einbiege, sehe ich in der Ferne in der entgegengesetzten Richtung einen weiteren Bau der Gigantomanie, der zu dem Komplex zu gehören scheint. Ein Schild verrät mir: Es ist das neue Sheraton Golfhotel.










hola steffeño,
skurriles, uruguay, sport, tolle sache, dein reisetagebuch. den pelotapark finde ich allein durch deine beschreibung schon ziemlich großartig. da will ich auch hin.
scheiss-spieltag bisher: siege für hertha und schalke; dem berliner „urgestein“ c. heine und seinem sideshow dieter hatte ich so sehr eine dicke blamage gegen bochum gewünscht, aber nüschte!
zu den gazprom-huren schweige ich lieber.
also, schön, dass du b.a. überlebt hast, lass es dir gut gehen & schreib’ fleißig weiter, me gusta mucho, me encanta!
está bien así?
d.
¡Hola!
immerhin hat der ruhmreiche SV Werder auch gewonnen. Habe tatsächlich durch Zufall im Hostel zehn Minuten des Spiels in Dortmund auf dem mexikanischen(?) Sender gol.tv gesehen. Dann wurde leider ohne Vorwarnung umgeschaltet zum Pferderennen.
Ansonsten gab es heute den ganzen Tag nur Vorschauen auf den superclásico Boca – River, mit einem unspektakulären 1:1 am Ende. Jetzt läuft noch bis spät in die Nacht „la ultima palabra, discusion y analasis“. Auf Deutsch: Das letzte Wort. Zum Sonntag. Wie gesagt: sechs Netzers. Es ist der Wahnsinn!
Das hier? http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&q=&layer=&ie=UTF8&om=1&z=16&ll=-34.437425,-57.869046&spn=0.011255,0.015514&t=k
Da fällt mir ein, hatte ich mir nie angeschaut (gabs das damals schon in der Qualität?):
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&q=&layer=&ie=UTF8&z=17&ll=50.073027,20.03756&spn=0.004379,0.007757&t=k&om=1
Grüße, (endlich, heute das erste Frühstück auf dem Balkon)
sb
Jawohl, das ist es! Das Pelotastadion ist ein wenig versteckt, aber ja! Grossartig!
[...] erinnert sich jemand an meinen Besuch in Real de San Carlos in Uruguay. Daran musste ich jedenfalls heute denken, als ich einen anderen Ort besuchte, der vielleicht [...]