Buenos Aires, 11. April 2007
Ich bin nun schon den sechsten Tag in Buenos Aires, und ich habe noch keinen Japaner gesehen. Das ist ein ernstes Problem. Denn wenn man auf Reisen nicht mit üppigem Budget unterwegs ist, bleiben für die Übernachtung nicht viele Möglichkeiten. Entweder man nimmt ein billiges Hotel (mit dem Nachteil, dass dieses dann auch sehr billig aussieht) oder man kommt in einem Hostel unter. Dort allerdings gibt es häufig nur Gemeinschaftszimmer, was eine ziemliche Qual sein kann – es sei denn, man wohnt mit Asiaten zusammen.
Mit Asiaten ein Zimmer zu teilen, ist als wäre man alleine. Sie machen keine Geräusche, sie scheinen keine Gerüche auszusondern und sind überhaupt sehr angenehm. In Amsterdam war ich mit einem Chinesen im Zimmer, der mich am Freitagabend ernsthaft um Erlaubnis bat auszugehen. Er wolle sich ein Jazzkonzert ansehen und werde vermutlich erst um Mitternacht zurück sein. Die anderen beiden Bewohner waren übrigens Dänen, die nachts gegen vier sturzbetrunken ins Zimmer torkelten und dem Chinesen eine Lektion in europäischer Kultur vermittelten.
Zum Glück habe ich hier das Che Lulu gefunden. Eine Art Bed & Breakfast mit acht kleinen Zimmern und einem grossen Dachboden, auf den sie fünf Betten gestellt haben. Die Betten sind günstig zu mieten. Dazu bekommt man ein hervorragendes Frühstück, ein innenarchitektonisch durchgestyltes Wohnzimmer und interessante Mitbewohner. In Hostels muss man dagegen das immer gleiche Backpacker-Gesocks aus lärmenden Briten und US-Collegestudenten ertragen. Zwar sind auch im Che Lulu hauptsächlich Briten und Amerikaner zu Gast. Aber es sind Leute, die von Hostels ebenfalls die Nase voll haben, oder Weltenbummler, die sich vermutlich auch das Sheraton leisten könnten. Sie tun es nicht, weil sie keine Lust haben, wie Bill Murray in Lost in Translation in der Hotelbar herumzuhängen. Denn Scarlett Johansson taucht eben nur im Film auf.
Damit uns nicht langweilig wird, haben sich die Leute hier noch ein lustiges Spiel ausgedacht. Sie haben ihr Reservierungssystem offenbar von Loriot programmieren lassen. Das Spiel geht so: Der Gast erfährt, dass sein Zimmer leider nicht mehr für die gesamte gebuchte Zeit frei sei. Das sei aber kein Problem. Er müsse zwischendurch lediglich für ein paar Nächte in ein anderes Zimmer umziehen. Und so schleppen jeden Tag Menschen ihre Koffer von Zimmer A nach B, während ihnen auf der schmalen Treppe Gäste entgegenkommen, die von B nach A unterwegs sind. Ist es deutscher Organisationswahn, wenn man die Frage stellt, warum die Gäste aus A nicht einfach in A und die aus B in B bleiben können? Mich stört das aber nicht, schliesslich habe ich nicht so viel Gepäck dabei wie der Amerikaner, der demnächst nach Argentinien übersiedeln will und deshalb mit vier Schrankkoffern unterwegs ist.
Ich selbst bin übrigens schon zweimal umgezogen. Von A nach B und von B zurück nach A. Morgen wird es richtig aufregend. Ich ziehe nach C.









