Berlin, 4. April 2007
Winter, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das – so lernt es jeder Dreijährige im Kindergarten – ist die Reihenfolge der Jahreszeiten. Doch das muss nicht so sein, das lernt man erst später, wenn man zum Beispiel eine sechswöchige Reise nach Südamerika plant. Dann kann das Jahr nämlich auch so aussehen: Winter, Herbst, Sommer, Herbst und Winter. Das verwirrt mich etwas. Auf der Südhalbkugel war ich noch nie – und sechs Wochen am Stück verreist bin ich zuletzt 1987: mit meiner Mutter nach Cuxhaven.
Ich habe die Folgen vorher nicht richtig bedacht, glaube ich. Ich fahre in ein Land, das mir den Frühling stiehlt. Monatelang habe ich auf ihn gewartet. Nun ist er da, der Frühling – und morgen ist er für mich auch schon wieder vorbei. Gerade habe ich noch ein paar Kräuter auf meinem Balkon eingepflanzt, sogar die Fenster in der Küche geputzt, damit es Licht werde. Bald werden sich meine Freunde zum Grillen im Görlitzer Park verabreden, doch ich werde nicht dort sein. Ich werde in Patagonien auf den ersten Schnee warten. Ich werde zwei November in einem Jahr erleben.
Genug des Jammerns! In Buenos Aires sind es diese Woche noch 24 Grad – und wenn ich Frühling gewollt hätte, dann hätte ich nach Cuxhaven fahren müssen. Sechs Wochen mit Rentnern am Strand von Sahlenburg? Nein, das wäre zu viel des Abenteuers.
Dieses Tagebuch soll erzählen von Südamerika, von kleinen Geschichten, die mir unterwegs passieren. Vielleicht von Menschen, die mir begegnen. Eigentlich habe ich noch gar keine Ahnung, wovon es erzählen wird. Jedenfalls nicht von Eisbären. Das lernt man im Kindergarten gleich nach den Jahreszeiten. Eisbären leben am Nordpol. Und in Berlin. Aber bestimmt nicht in Patagonien. Das ist der beste Grund, diese Stadt zu verlassen. Keine Eisbären für sechs Wochen. Nur Pinguine.









